Die Deutschland-Premiere

Ein voller Saal an der Deutschland-Premiere. (Foto: blog.jffh.de)

Ein voller Saal an der Deutschland-Premiere. (Foto: blog.jffh.de)

Den ganzen Tag hat es geregnet. Die Stadt scheint nicht auf uns gewartet zu haben. Durchnässt trifft sich das Filmteam bei der U-Bahnstation Feldstrasse. Schnell essen wir noch etwas beim Chinesen und machen uns auf dem Weg zum Projektor.

Der kleine aber schmucke Vorführraum ist das Herz des Japan-Filmfests Hamburg. Hier schaut man Film und tauscht sich am Anschluss bei einem Bier und japanischem Curry aus. Mit einer Engelsgeduld sorgt Holger dafür, dass die Vorstellung pünktlich beginnt. Er ist Geschäftsführer des Projektors, Operateur, Kassierer und Moderator in einem.

Trotz Champions-League-Finale hat er an diesem Samstagabend viel zu tun. Die Deutschland-Premiere von Negative: Nothing ist bis zum letzten Platz ausverkauft. Nicht alle Zuschauer haben einen Sitzplatz. Dass scheint sie nicht davon abzubringen, im Projektor zu bleiben. Die Treppe wird kurzerhand zur Sitzreihe und die oberen Etage zu Stephlätzen umfunktioniert. Es ist eng und heiss im Projektor. Ein bisschen Fussballatmosphäre.

Auf der Suche nach dem letzten Platz. (Foto: blog.jffh.de)

Auf der Suche nach dem letzten Platz. (Foto: blog.jffh.de)

«Meinem Knie geht es besser»

Vor dem Filmstart wird die Kurzdoku Stand Up gezeigt, die einen berührenden Optimismus nach der Tragödie des 11. März 2011 verbreitet. Es folgt Negative: Nothing. Wir vom Filmteam geniessen die Vorführung stehend in der hintersten Reihe. Es wird gelauscht, gelacht und geweint.

Nach 80 Minuten ist die Deutschland-Premiere vorbei. Es folgen ein unvergessener Applaus und herzliche Fragen aus dem Publikum. «Meinem Knie geht es besser, es hat aber leider nicht gereicht, um den Weg von der Schweiz nach Hamburg zu Fuss zu gehen», antwortet Thomas scherzhaft auf die Frage, ob sich sein Knie von den Strapazen der Reise durch Japan erholt habe.

Das Negative-Nothing-Team bei der anschliessenden Fragerunde.

Jan Knüsel, Joachim Köhler, Thomas Köhler (von links) bei der anschliessenden Fragerunde.

Berührende Geschichten

Eine Dame aus dem Publikum ist eigens für den Film aus der Region Braunschweig angereist. Eine weitere Zuschauerin erzählt mir nach der Vorführung, dass sie unser Filmprojekt seit den Anfängen im Internet begleitet habe. Sie sei einfach glücklich, bei der Premiere dabei gewesen zu sein. Die wunderbare Flimcrew von I’ll cry tomorrow (Asu no naku) drückt uns ihre Dankbarkeit und Begeisterung aus.

Es sind solche Geschichten, die uns berühren und uns immer weiter machen lassen. Vor fast 8 Monaten hatten wir Premiere. Nach über 25 Vorführung zählen wir bereits über 5000 Zuschauer. Am Japan-Filmfest in Hamburg durften wir mit der Deutschland-Premiere nun endlich ein neues Kapitel aufschlagen.

Mit der Filmcrew von I'll Cry Tomorrow.

Mit der Filmcrew von I'll Cry Tomorrow.

Auch eine Hamburger Geschichte

Das freut uns alle und Thomas Köhler besonders. Denn Negative: Nothing ist nicht nur eine Schweiz-Japan-Geschichte. Auch Deutschland ist in jeder Hinsicht seit den Anfängen dabei. Im Hamburger Abendblatt erschien im Juli 2011, noch bevor sich die Dokumentarfilm-Idee konkretisiert hatte, mein ausführliches Asienspiegel-Interview mit Thomas Köhler, der damals Aufräumarbeiten im Tsunami-Gebiet Japans leistete. Es war der unbewusste Auftakt zu Negative: Nothing.

Und noch viel wichtiger: Thomas’ Vater Joachim, der heimliche Star von Negative: Nothing, ist ein waschechter Berliner, der Anfang der 1960er-Jahre als Seemann in Hamburg anheuerte. Die Premiere in Hamburg wollte sich Joachim auf keinen Fall entgehen lassen. «Ich kann mit Stolz sagen, dass ich der Produzent von Thomas bin», meinte er vor lachendem Publikum. Zum ersten Mal nach 50 Jahren war Thomas’ Vater wieder in der Hansestadt.

Thomas Köhlers inspirierende Geschichte ist damit in jeder Beziehung in Hamburg und in Deutschland angekommen – dem leidenschaftlichen Organisatoren-Team des Japan-Filmfests und dem herzlichen Premieren-Publikum sei Dank. Das regnerische Wetter war nach dieser unvergesslichen Vorführung nur noch Nebensache.

Mehr zum Film und weiteren Vorführdaten: negativenothing.com

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